Scheibenbremsen am Rennrad

IMG_0465VIelleicht haben sich bereits viele von Euch damit beschäftigt ob es tatsächlich in Frage kommt, das nächste Rennrad mit Scheibenbremsen zu kaufen. Mich hat diese Frage im letzten Jahr akut beschäftigt, nach dem mein Trainingsrad durch einen Unfall vollständig ausgetauscht werden musste.

Als erstes habe ich mir angesehen, welche Hersteller den zu diesem Zeitpunkt überhaupt einen Road Racing Bike bauen, dass Scheibenbremsen besitzt. In kürzester Zeit konnte ich feststellen, dass 2015 eigentlich das Jahr war, in dem die meißten Hersteller ein solches Bike im Programm aufgenommen haben. Technisch schien das ganze also eine gewisse Maßentauglichkeit erreicht zu haben.

Nach dem ich mir verschiedene Hersteller genau angesehen habe, kam für mich sofort das Xeon CDX von Rose direkt in betracht. Überzeugt hat mich hierbei die schicke verlegung der Hydraulik-Leitungen, wenn auch später in der Fahrt ein klappern ab und zu – zu höhren ist, da diese Art der Leitungen sich doch hörbar im Rahmen bewegt.

Das Bremsverhalten war natürlich Super und somit konnte ich mit dem Rad die ersten Kilometer fahren.

Eingefahren habe ich das Rad anschließend im Sauerland und was soll ich sagen – die Empfehlung des Verkäufers fürs einbremsen habe ich wörtlich genommen. Nach 2,5km Anfahrt war ich oben auf dem Dach Westfalens – dem Kahlen Asten und nahm die Abfahrt (lockere 13km) im Angriff um die Scheiben und die Belege einzufahren. ACHTUNG: Das ist übertrieben! Das muss man nicht! Aber es hat Spass gemacht! 🙂

Noch etwas zu den Rahmenparametern: Durch mehere Monate untätigkeit lag das Systemgewicht häufig in einem Bereich in dem die 9x kg schon erreicht waren.WP_20150523_09_45_07_Pro

Beim Einbremsen zeigte sich gleich das deutlich mehr gefühl beim Bremsen und weniger Kraft in den Fingern notwendig ist. Die negative Verzögerung des Bikes stellte neue Herausforderungen ans Fahrkönnen, da deutlich mehr gewicht auf die Schultern kam als früher gewohnt. Auch das Bremsen in Extremsituationen muss mit diesen Bremsen neu gelernt werden, da diese sofort zufassen. An dieser Stelle möchte ich aber auch klar stellen: Die Bremsen fassen zu, sie sind erstklassik in der Verzögerung, aber das Vorderrad Wheelie musst bewusst provoziert werden um das hinzubekommen! Aber auch dafür braucht ihr mit diesen Bremsen deutlich weniger Kraft!

Ich persönlich konnte mich an die Bremsen schnell gewöhnen. Zu schnell für meine mir folgende Frau, denn bei Abfahrten ist der Vorteil das ihr schneller zum stehen kommt, auch ein Nachteil für die Hinterfrau/-mann. Durch die bessere Bremsleistung und dem deutlich schnelleren Ansprechen steht ihr schneller als Euer Hintermann mit konvetionellen Bremsen. Wir haben uns auf detlich hörbare/sichtbare Warnungen für diesen Fall verständigt.

Beim Bremsen fällt auf, dass das Rad einseitig gembremst wird (Motorräder haben Scheiben an beiden Rad Seiten). Das stört nicht, erklärt aber gewisse Druckverhältnisse beim Bremsen.

Zur Technik: Ich habe das System von Shimano im Einsatz, bestehend aus ST-R785 / BR-RS805 Hydraulik Bremse und 140 und 160 mm Bremsscheiben. Zusätzlich DI2 Ultegra, das tut aber wenig zur Sache.

Nach ca. 5000 km im Sauerland warenb leider die Bremsbeläge fällig. Das NAchbestellen gestaltete sich etwas schwieriger, da in dem Rad nicht die kleinen Standardbelege J02a verbaut wurden, sonder die größeren J04C. Leider ist mir das erst nach der Bestellung aufgefallen. Die J02a Belege passen auch dort hinein, haben jedoch den Nachteil, dass sie etwas keliner sind und somit schneller verschleißen. Ich war mit der Weksauslieferung so zufrieden, dass ich bei den J04C geblieben bin.

Das Austauschen der Bremsbeläge war vom Aufwand gleich wie bei den klassichen Belegen. Splint entfernen – Schraube lösen – Belge herausziehen – Kolben zurück drücken – Belege einsetzen – Schraube eindrehen – Splint setzen – Fertig. Das schafft jeder, der sich traut Werkzeug in die Hand zu nehmen.

Bei Regen kann sich sicherlich jeder Vorstellen, dass diese Bremsen ein Seegen sind. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass grade im Herbst/Winter ein entscheidendes Kriterium die Reifenwahl ist, denn genauso wie beim Auto ist dies das einzige Bauteil, dass eine direkte Verbindung zur Strasse hat und wenn ihr dort eine harte Gummimischung auf den Rädern habt und es ist kalt und nass zugleich, dann wird es beim Bremsen spannender.

Der Transport eines Rades mit Scheibenbremsen ist jedoch komplizierter! Wenn das Rad ohne Laufräder transportiert wird, muss eine Distanzscheibe zwischen die Belege gesetzt werden, so dass verhindert wird, dass die Hydraulik sie zusammendrückt, wenn der Bremshebel versehentlich bei ausgebauten Laufrädern gedrückt wird. Hier hilft ein Reifenheber, damit kann der Kolben schon mal wieder zurück gedrückt werden. Auch der Transport der Laufräder ist etwas schwieriger, da die Scheiben nicht sehr viel Druck von der Seite vertragen, und wenige 10tel mm seitliche Bewegung bereits ein schleifen verursachen können. Mit ein wenig Druck auf die Scheibe nach dem Einbau ist dies aber auch wieder zu lösen.

Die Verletzungsgefahr bei einem Sturz, wie bei den ersten Rennen der UCI ist sicherlich gegeben, aber die Gefahr besteht viel mehr für andere, die auf das Radstürzen, als für einen selbst. Übrigens sind Scheibenbremsen im Triathlon erlaubt, aber aufgrund des excellenten Bremsverhaltens nicht bei Windschattenfreigabe.

So … ich hoffe meine Erfahrungen helfen Euch ein bisschen weiter bei der Entscheidung, welche Option ihr beim nächsten mal wählt.

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